(Der gekrönte Clown)
Zuallererst einmal guten morgen. Nach langer langer Zeit stehe ich wieder auf, und schreibe hier etwas. Warum? Mehrere Gründe. Einmal idolum, die das wollte, und auch weil ich es selbst schon länger vorhatte.
Hmmm.. wo soll ich nur Anfangen, immerhin ist doch eine ganze Menge geschehen in den letzten Monaten, die mir teils wie Jahre, teils wie Wochen schienen.
Ich glaube ich werde mal damit anfangen den Untertitel dieses Blogs zu erklären, deshalb, Vorhang auf, für die 1.Nacht, und die Ouvertüre unseres Mitternachtszirkus.
AKT1
Ich darf das Publikum bitten sich zu setzen, die Fesseln an ihren Sesseln zu ignorieren, egal wie fest sie sich in euer Fleisch schnüren. Sie da, in der zweiten Reihe, könnten sie bitte aufhören zu schreien? Ah, sehr gut, die Trapezkünstler haben sie bereits geknebelt. Wie bitte? Ich kann sie so schlecht hören. Ah, sie ersticken gerade. Nun, das gehört zum Trick unseres Magiers.
Nun meine Damen und Herren, da sie nun alle schienbar schockiert genug sind um endlich einmal DEN MUND ZU HALTEN, kann es ja losgehen. Oh, sehen sie nur, da ist ja auch schon unser erster Artist, der Crown Clown!
Die Vorstellung beginnt. Ein Mann in Schwarz betritt die Manege, und das Publikum riecht die Sägespäne, als diese von seinen Übergroßen Schuhen aufgewirbelt werden. Um seine Schultern hängt ein strahlend weisser Mantel, mit Pelzkragen. Auf seinem Haupt eine übergroße Krone. Seine Augen werden von einer silbernen Maske verdeckt, und seine linke Hand endet in scharfen Klingen an jedem Finger. Um das rechte Handgelenk trägt er eine Krone, und einen Handschuh, der zutiefst Comic-haft aussieht. Er blickt in die Menge und lächelt.
„Ah nun, so lasst mich euch erzählen von der Tragödie welche mich krönte, und mich zum obersten der lachfiguren beförderte.“
Das Publikum lauscht gespannt, nicht merkend wie die Fesseln sie fester schnüren. Bereits jetzt werden ihre Hände bleich, und um die Fesseln herum staut sich das Blut. Es interessiert sie nicht, zu erfahren wie jemand anderem etwas schreckliches widerfahren ist, überschreibt jeglichen Selbsterhaltungssinn.
„Es war einmal vor langer langer Zeit, da lebte ein Junge. Nicht gerade herausragend, aber egal. Er hatte freunde, und freude. Und es war gut. Doch dann, eines Tages verfiel der Junge dem Charme eines Mädchens. Und auch dies war gut. Alsbald liess er die Liebe in sein Herz, und öffnete es ihr, und auch anderen. Selbst dies war gut. Die Beziehung der beiden Wuchs und Gedieh. Sie unternahmen viel miteinander, hatten spass, und genossen das Leben. Und es war gut.“
Weiterhin lauscht die Menge gespannt, mit angehaltenem Atem. Einige werden beriets blau um die Lippen, bei anderen ist nur noch das weiss in den Augen zu sehen.
„Der Junge, dieser Clown, und das Mädchen, fuhren eines Tages gemeinsam auf ein Festmahl, zu ehren von ihren freunden. Es wurde getrunken, und gelacht. Und es war gut. Jedoch, am übernächsten Tag, da schien die Welt zu zerfallen. Ein Brief, läutete das ende ein. Unscheinbar anfangs, denn darin stand nur geschrieben, das es einer freundin nicht gut ginge. Es handelte sich hierbei um die freundin des Harlekin. Diese hatte Angst von ihm verlassen zu werden, und hatte Unterschlupf bei der Katzendompteusse gesucht, welche dem Clown den Brief geschrieben hatte, das er aufpassen solle.
Der Clown, einfältig wie er war, dachte sich nichts weiter dabei, denn sicherlich würde man ihm sagen wenn etwas großes Vorgefallen sei, oder? So verbrachte er den Tag noch lachend und fröhlich, bis zum Abend, wo er zu seinem Mädchen gehen wollte. Diese war den Tag über bereits beim Harlekin und dessen Freundin gewesen. Der Clown vermutete das sie dort war um etwaige Streitigkeiten zwischen den beiden zu schlichten. So stand er vor ihrer Tür, und wartete auf sie. Die letzten guten Minuten seines Lebens.“
Der gekrönte Clown tritt durch den Ring hindurch zwischen die Zuschauer, welche ihren Körper nicht bewegen können, nur ihre Augen erfassen ihn aus den Augenwinkeln. Er geht nun zwischen den Sitzreihen hindurch, und führt seine Erzählung fort.
„Denn das Mädchen bricht in Tränen aus als es zurückkommt, und erzählt wie der Harlekin und sie seit längerem eine Affäre miteinander haben. Sie versucht zu erklären, doch der Clown hat genug gehört. Er geht los und begibt sich zur Heimat des Harlekin. Dort teilt er diesem Seelenruhig seine Meinung mit. Diesem Scheusal, welches der Clown früher oft seinen Bruder oder besten Freund genannt hatte. Dann geht er. Zurück lässt er dort die weinende Freundin des Harlekin.
Er geht und geht und geht. Schliesslich kommt er zur Behausung des Feuerschluckers. Dort macht er sich daran seine Gefühle in öffentliche Ansteckplätze zu schreiben. Mit wenig erfolg. Denn kurz darauf erhält er Nachrichten das er dies doch nicht könne, das dies dem Harlekin gegenüber doch vollkommen ungerechtfertigt sei. So zieht der Clown weiter. Er sucht ein Gespräch mit dem Mädchen, welches ihm erzählt, wie sie damals bei einer ihrer freundinnen eine Feier hatte, zu der sie der Clown auch hinbrachte. Nun erfährt der Clown das es diese Feier nie gab. Er hat sie damals zum Harlekin gebracht. Und der Harlekin brachte sie nach der getanen Sache zum Clown zurück.
Es reicht. Der Clown fährt zum Harlekin. Er will dessen Geschichte hören. Doch was er hört sind Lügen. Lügen einer Schlange, die versucht ihren Kopf aus der Schlinge zu ziehen. „
Der Crown Clown ist die ganze Zeit durch das Publikum geschritten. In den Hälsen von ein paar der Leute die er passiert hat, kann man nun feine Kratzer erkennen. Kratzer die größer werden. Größer werden und zu bluten anfangen. Auch an den Klauen auf der linken Hand des Crown Clown klebt Blut. Leblos sacken die ersten zusammen, und er führt seinen Weg, und seine Geschichte fort.
„Doch als wäre dies noch nicht schlimm genug, so muss er nun sehen das dem Harlekin vergeben wird. Er zieht keine Konsequenzen. Nein, er grinst sogar dämlich. Er wird mutig genannt. Und der Clown denkt an den Messerwerfer, zu dem er dann und wann doch aufblickte, da dieser seine Ideale hatte. Oder der Feuerspucker, welchen er zu seinen engsten freunden zählte, oder der Freund der Katzendompteusse, welcher sich damit brüstet für die Gerechtigkeit zu streiten, edle Motive und Ideale zu haben. Alle wenden sie sich ab. Der Clown fühlt sich hintergangen. Zu viele Dinge rasen ihm durch den Kopf. Und dann, in einem kurzen Moment der Erleuchtung, einer wahren Epiphanie, erkennt er, das über seinem Haupt eine Krone erschienen ist. Er wurde gekrönt, zum König der Narren. Er, den alle hintergangen und verraten haben, er ist nun der Crown Clown. Doch wehe er sollte dies nur einmal ansprechen, oder sagen das er nichts mehr mit dem Harlekin zu tun haben möchte, denn dann heisst es sofort er solle doch nicht so sein. Und all diesen Leuten wünscht der Clown nur eines. Das ihnen das gleiche Geschehen möge. Er hofft darauf, das der tag kommt, wo sie alle so schmählich im Stich gelassen werden.“
Der Clown hat nun seine Runde beendet. Die zweite Sitzreihe ist nicht mehr Existent, als er wieder in die Manege tritt. Blut tropft von seinen Klauen. Seiner linken Hand, mit welcher er gegen Dämonen antreten wollte. Doch er hat erkannt, das die wahren Dämonen die Menschen sind, die nur da sitzen, dumm glotzen, und weiter ihre Ideale vorheucheln, sich groß fühlen, und doch, wenn sie in ihrem eigenen blut am Boden liegen, ihren letzten Atemzug tun, nichts gelernt haben, und so blind sind wie eh und je.
Der Crown Clown verlässt nun die Manege, und tritt durch den Vorhang nach hinten. Von irgendwoher kommt Applaus. Das Publikum ist weiterhin regungslos, da sieht man wie der Direktor klatschend hereintänzelt. Er hält seinen Schirm fest, und zieht den übergroßen Zylinder vor dem Publikum. Und vor dieser Szene schliesst sich der Vorhang. Das Putzpersonal beseitigt die Überreste der zweiten Reihe, und alles wartet gespannt auf den zweiten Akt dieser Zirkusschen Komödie.
Monday, August 2, 2010
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